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David Seaman
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David Andrew Seaman, MBE (* 19. September 1963 in Rotherham) ist ein ehemaliger englischer FuĂballtorhĂŒter. Bekannt wurde er vor allem als langjĂ€hrige âNummer 1â des FC Arsenal der 1990er- und zu Beginn der 2000er-Jahre. WĂ€hrend dieser Zeit gewann er drei nationale Meisterschaften (1991, 1998, 2002), vier FA-Cup-TrophĂ€en (1993, 1998, 2002, 2003), einmal den Ligapokal (1993), sowie 1994 den Europapokal der Pokalsieger. DarĂŒber hinaus absolvierte er 75 A-LĂ€nderspiele fĂŒr England und war Stammtorwart bei jeweils zwei Europa- (1996, 2000) und Weltmeisterschaften (1998, 2002). Seaman gilt als einer der besten englischen FuĂballtorhĂŒter der jĂŒngeren Vergangenheit, wenngleich ihm auch Fehler in entscheidenden Momenten unterliefen â speziell bei den beiden Weitschuss-Gegentreffern im Europapokalendspiel 1995 gegen Real Saragossa und im WM-Viertelfinale 2002 gegen Brasilien.
Contents
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Sportlicher Werdegang
Karrierebeginn (bis 1990)
Seaman wurde im Listerdale Maternity im Rotherhamer Stadtteil Wyckersley geboren und gemeinsam mit seinem zwei Jahre jĂŒngeren Bruder Colin wuchs er in bescheidenen VerhĂ€ltnissen seiner Geburtsstadt auf. Die beiden Elternteile waren noch Teenager â die Mutter bei seiner Geburt gar erst 16 Jahre alt â und fĂŒr den FuĂballsport hegten sie nur wenig Interesse. FĂŒr einen gelegentlichen Stadionbesuch in Rotherham reichte es dann aber doch und ab dem Alter von zehn Jahren wohnte Seaman sporadisch Heimspielen von Rotherham United bei. Sein Herz schlug jedoch Mitte der 1970er-Jahre fĂŒr das nahe gelegene Leeds United, das damals unter Don Revie zu den besten englischen FuĂballklubs gehörte. Selbst aktiv war Seaman in der Schule gewesen und hauptsĂ€chlich seiner GröĂe verdankte er es, dass er dort immer wieder als TorhĂŒter spielen musste.cite-ref-3[3] Dabei zeigte er ein derart groĂes Talent, dass er schnell in der Auswahlmannschaft seiner Schule landete und spĂ€ter fĂŒr die Stadt sowie die Grafschaft Yorkshire spielte â an Sonntagen stand er zudem fĂŒr die Red Scorpions zwischen den Pfosten.
Sein Weg in den ProfifuĂball war dennoch nicht eindeutig vorgezeichnet und als 16-JĂ€hriger stand Seaman vor der Entscheidung, nicht doch lieber Cricket zu spielen. Ein entsprechendes Angebot des Yorkshire Cricket Club lehnte er aber ab und so fokussierte er sich auf den FuĂball.cite-ref-4[4] Dabei stellte sich die Frage, zu welchem Verein er gehen könnte. Obwohl er einige Probetrainingseinheiten absolviert hatte (beispielsweise neben Rotherham United bei Sheffield Wednesday), war er vertraglich noch nicht gebunden. Es kristallisierten sich drei Kandidaten heraus. Sein Lehrer und Förderer Bob Earnshaw empfahl wenig uneigennĂŒtzig âseinenâ FC Barnsley und zur Untermauerung des Interesses von Rotherham United stellte sich Trainer Bobby Saxton persönlich bei Seamans Eltern vor. Den entscheidenden Ausschlag gab jedoch Seamans groĂe Fan-Leidenschaft fĂŒr Leeds United und im FrĂŒhjahr 1979 schloss er sich der Jugendabteilung der âWhitesâ an.cite-ref-5[5]
Im September 1979 debĂŒtierte Seaman im Erwachsenenbereich fĂŒr die Reservemannschaft von Leeds United gegen die Zweitvertretung von Preston North End.cite-ref-6[6] Zu seinem ersten Einsatz im Profiteam kam er im Alter von 18 Jahren im Rahmen eines Freundschaftsspiel gegen Glentoran Belfast in der nordirischen Hauptstadt.cite-ref-7[7] Dass weitere sportliche Entwicklungsschritte ausblieben, lag vor allem darin begrĂŒndet, dass sich Leeds in eine sportlich schwierige Situation manövriert hatte. Allein wĂ€hrend Seamans dreijĂ€hriger Zugehörigkeit zu dem Verein versuchten drei Trainer, an die alte Revie-Zeit anzuknĂŒpfen. Dabei scheiterte zunĂ€chst Jimmy Adamson in den spĂ€ten 1970er-Jahren und sein Nachfolger Allan Clarke stieg 1982 gar mit dem Klub in die zweite Liga ab. Im Rahmen des anvisierten Wiederaufstiegs entschloss sich der nĂ€chste Cheftrainer Eddie Gray unter anderem dazu, auf der TorhĂŒterposition fĂŒr Stammkeeper John Lukic einen Ersatzmann mit mehr Erfahrung zu verpflichten. Gleichzeitig erhielt Seaman die Freigabe fĂŒr einen Vereinswechsel. Auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber kristallisierte sich der Viertligist Peterborough United heraus. Hinter diesem Wechsel stand Martin Wilkinson, der als Co-Trainer von Clarke ebenfalls entlassen worden war und anschlieĂend in Peterborough die Aufgabe des Cheftrainers ĂŒbernommen hatte. MaĂgeblich war fĂŒr Seaman besonders, dass ihm Wilkinson ein Stammplatz im Tor zusagte.cite-ref-8[8]
In Peterborough bekam Seaman fortan ausreichende Spielpraxis und in zwei Jahren verhalf er in 91 Viertligaspielen dem Verein dazu, jeweils in der oberen TabellenhĂ€lfte zu landen. Besonders positiv bewertete Seaman selbst in der RĂŒckbetrachtung, dass er im âUnterhausâ des englischen ProfifuĂballs in Bezug auf WettkampfhĂ€rte und Robustheit geschult wurde. Nicht selten setzten die technisch wenig begabteren Angriffsspieler darauf, sich durch einen hohen körperlichen Einsatz Vorteile zu verschaffen und dabei schien ein junger Torwart ein beliebtes Ziel zu sein. Seaman reifte zu einem der vielversprechendsten englischen Torwarttalente, das im Oktober 1984 dann auch in der englischen U-21-Auswahl sein DebĂŒt feierte. Im selben Monat war er fĂŒr eine Ablösesumme von 100.000 Pfund zu Birmingham City gewechselt, das gerade erst aus der ersten Liga in die Second Division abgestiegen war.cite-ref-9[9]
Bei den âBluesâ aus Birmingham entwickelte sich Seaman in besonderem MaĂe in seinem Torwartspiel weiter, was vor allem daran lag, dass sein neuer Trainer Ron Saunders, der zuvor sehr erfolgreich beim Rivalen Aston Villa gewirkt hatte, ein gröĂeres VerstĂ€ndnis fĂŒr seine Position hatte und die Arbeit spezifischer ausrichtete â zuvor hatte sich Seaman darum mehr oder weniger âselbst gekĂŒmmertâ. Auch in Bezug auf Disziplin und ErnĂ€hrung wurde mehr Wert gelegt. Unmittelbar nach seiner Verpflichtung stand Seaman aufgrund des vorherigen Abgangs von Stammkeeper Tony Coton zum FC Watford zwischen den Pfosten und zum Ende der Saison 1984/85 gelang als Vizemeister der direkte Wiederaufstieg in die Eliteklasse. Dabei hatte die Mannschaft um den neuen TorhĂŒter die ligaweit wenigsten Gegentreffer kassiert. Ein wichtiger Faktor, auf den Saunders gesetzt hatte, war die Erfahrung im Team. SpĂ€ter hatte das etwas in die Jahre gekommene Team um Spieler wie Des Bremner Schwierigkeiten, sich auf höchstem Niveau zu behaupten. Dass 1986 der erneute Abstieg folgte, lag speziell an der geringsten Torausbeute der Blues aller Erstligavereine. Zwar musste auch Seaman 73 Gegentore hinnehmen, aber sein Ruf hatte darunter nicht gelitten, wie seine zehn Berufungen in die englische U-21-Startformation unter Beweis stellten. Vor Beginn der Spielzeit 1986/87 wechselte Seaman kurz nach Saundersâ Demission fĂŒr 225.000 Pfund zum in der First Division aktiven Londoner Verein Queens Park Rangers.cite-ref-10[10]
In den insgesamt vier Spielzeiten bis 1990 gelang es Seaman mit dem neuen Klub, sich dauerhaft als Erstligatorwart zu etablieren. Titelgewinne waren zwar zumeist auĂer Reichweite â gröĂte Erfolge waren in der Liga der fĂŒnfte Rang in der Saison 1987/88 sowie der Einzug ins FA-Cup-Viertelfinale in der Spielzeit 1989/90 â, aber in der Mannschaft von Trainer Jim Smith (spĂ€ter Gerry Francis) agierte er an der Seite einiger renommierter Spieler, darunter Terry Fenwick und Les Ferdinand bzw. im weiteren Verlauf Peter Reid und Ray Wilkins. Besonders gut verstand sich Seaman mit Trainer Smith, der auch groĂe PopularitĂ€t bei den anderen Spielern genoss. Als Smith dann im Dezember 1988 entlassen wurde, trĂŒbte sich Seamans VerhĂ€ltnis zu dem Klub jedoch ein. Grund dafĂŒr war der neue Trainer Francis und der Umstand, dass Seaman seinen 1990 auslaufenden Vertrag nicht verlĂ€ngern wollte. Francis entzog Seaman das KapitĂ€nsamt, das dieser zwischenzeitlich ĂŒbernommen hatte und auch das VerhĂ€ltnis mit dem zum Kotraier aufgestiegenen Peter Reid verschlechterte sich zusehends. Seaman hatte im November 1988 unter Bobby Robson gegen Saudi-Arabien sein erstes LĂ€nderspiel fĂŒr die englische A-Nationalmannschaft bestritten und um gleichsam die Perspektiven dort zu verbessern, als auch im Verein um Titel mitspielen zu können, bemĂŒhte er sich darum, bei einem ambitionierteren Klub unterzukommen. Erste Wechselbestrebungen zum FC Arsenal scheiterten zunĂ€chst daran, dass John Lukic, der im Gegenzug von Arsenal zu QPR ausgeliehen werden sollte, sein EinverstĂ€ndnis verweigerte. Erst der erneute Trainerwechsel von Francis zu Interimslösung und Ex-Arsenal-Spieler und -Trainer Don Howe bewirkte die entscheidende Forcierung â Howe hatte vorher bereits hinter dem Engagement von Arsenals Torwarttrainer Bob Wilson gestanden, der Seaman einmal pro Woche zu trainieren begann (die Liaison hielt fĂŒr mehr als ein Jahrzehnt an). Der wechselwillige Seaman, der nun in Teilen der eigenen AnhĂ€ngerschaft angefeindet wurde, einigte sich schlieĂlich im Mai 1990 mit Arsenals Trainer George Graham, wobei ihm zugutekam, dass sein Berater Jerome Anderson ĂŒber weitreichende Kontakte und Klienten bei Arsenal verfĂŒgte. Die Ablösesumme betrug letztlich 1,3 Millionen Pfund, wobei Arsenal wiederum eine Million Pfund fĂŒr den zu Leeds United zurĂŒckgekehrten Lukic erhalten hatte. Weitere Interessenten hinsichtlich Seamans Verpflichtung waren zuvor Tottenham Hotspur, Celtic Glasgow und Manchester United gewesen, wobei speziell der Wechsel zu âUnitedâ daran scheiterte, dass Trainer Alex Ferguson keinen sofortigen Transfer anstrebte.cite-ref-11[11]
Erste Meisterschaft, PokaltrophĂ€en und Aufstieg zu Englands Nummer 1 (1990â1996)
Arsenals AnhĂ€nger empfingen Seaman nicht gerade mit âoffenen Armenâ, zumal der seit 1982 als StammtorhĂŒter gesetzte Lukic sehr beliebt und Teil der Meistermannschaft 1989 gewesen war. Auch die betrĂ€chtliche Ablöse in Höhe von 1,3 Millionen Pfund erzeugte einen groĂen Erwartungsdruck, aber schon kurz darauf zerstreuten sich die anfĂ€nglichen Bedenken. Seaman stĂ€rkte die ohnehin schon stabile Defensivreihe und in seiner ersten Saison 1990/91 kassierte er in 38 Ligaspielen nur 18 Gegentore. Dabei hatte er in 24 Partien eine âweiĂe Westeâ behalten und zwischenzeitlich war er 540 Minuten in Folge ohne Gegentor geblieben. Am Ende gewann er mit seinem neuen Klub auf Anhieb seine erste englische Meisterschaft. In der Nationalmannschaft war die angestrebte Weiterentwicklung zunĂ€chst noch ausgeblieben. Dabei hatte ihn Nationaltrainer Robson zwar vor seinem Arsenal-DebĂŒt mit nach Italien zur WM 1990 als âNummer 3â hinter Peter Shilton und Chris Woods genommen, aber als sich Seaman im Trainingscamp in Cagliari einen Daumen brach, musste er vorzeitig abreisen â Dave Beasant vom FC Chelsea wurde an seiner statt berufen. Nach Shiltons RĂŒcktritt stieg Seaman unter Robsons Nachfolger Graham Taylor zum direkten Ersatzmann von Woods auf und Ende MĂ€rz 1991 bestritt er gegen Irland (1:1) sein erstes Pflichtspiel fĂŒr England. Als er sich jedoch knapp ein Jahr spĂ€ter gegen die Tschechoslowakei (2:2) einen medial weithin beachteten Fehlgriff leistete, blieb er bei Taylors Nominierung fĂŒr die Euro 1992 in Schweden ĂŒberraschend unberĂŒcksichtigt â als zweiter Torwart fuhr schlieĂlich der Neuling Nigel Martyn mit zum Turnier (im 20-Mann-Kader war im Gegensatz zur Weltmeisterschaft nur Platz fĂŒr zwei TorhĂŒter).cite-ref-12[12] Dabei hatte Seaman auch bei Arsenal eine schwierige Saison 1991/92 durchlaufen. Nach dem Meisterschaftserfolg folgte ein âAbsturzâ auf den vierten Rang. Dazu gesellten sich zwei bittere Pokalniederlagen im FA Cup gegen den viertklassigen AFC Wrexham sowie ebenfalls vorzeitig im Europapokal der Landesmeister gegen den portugiesischen TiteltrĂ€ger Benfica Lissabon.
Als die Premier League in ihre erste Saison 1992/93 ging, gelang es Seaman zwar die ligaweit zweitwenigsten Gegentore zu kassieren, aber die nur 40 selbst erzielten Treffer reichten nur fĂŒr einen enttĂ€uschenden zehnten Rang. Erfolge feierte er hingegen in den beiden heimischen Pokalwettbewerben und am Ende errang Seaman gleichsam die Ligapokal- und die FA-Cup-TrophĂ€e. Dabei bestritt er beide Finalpartien gegen Sheffield Wednesday mit einem doppelten Leistenbruch, der mutmaĂlich dadurch entstanden war, dass er in seiner zusĂ€tzlichen Rolle als âAusputzerâ in der Abwehr ĂŒberdurchschnittlich oft weite AbschlĂ€ge aus dem Spiel heraus tĂ€tigte.cite-ref-13[13] In der Sommerpause lieĂ er sich operieren und rechtzeitig zur folgenden Saison 1993/94, die Seaman am Ende mit dem Europapokal der Pokalsieger einen weiteren Titel einbrachte, meldete er sich fit zurĂŒck. Im Gegensatz zum frĂŒhen Europapokalaus zwei Jahre zuvor zeigte sich Arsenal defensiv disziplinierter und in insgesamt neun Begegnungen einschlieĂlich des 1:0-Finalsiegs gegen ein favorisiertes AC Parma kassierte Arsenal mit Seaman zwischen den Pfosten nur drei Gegentore. Seaman, der sich vor allem auch dadurch auszeichnete, dass Paraden bei ihm âvergleichsweise einfachâ aussahen, bezeichnete selbst eine Abwehraktion gegen Gianfranco Zola als die vermutlich beste Parade in seiner Karriere.cite-ref-14[14] Als weitaus weniger ruhmreich hatte Seaman wenige Monate zuvor im November 1993 die Partie gegen San Marino erlebt, als er als Englands TorhĂŒter das schnellste Gegentor der WM-Qualifikationsgeschichte hatte hinnehmen mĂŒssen â nur 8 Sekunden dauerte es, als ein RĂŒckpass von Stuart Pearce das 0:1 einleitete â letztlich gewann England das Spiel noch deutlich mit 7:1. EndgĂŒltig in den Fokus spielte sich Seaman in der anschlieĂenden Saison 1994/95, als er maĂgeblichen Anteil daran hatte, dass Arsenal erneut ins Finale des europĂ€ischen Pokalsiegerwettbewerbs einzog â Trainer Graham hatte wĂ€hrenddessen aufgrund einer SchmiergeldaffĂ€re im Februar 1995 gehen und Platz fĂŒr die Interimslösung Stewart Houston machen mĂŒssen. Im Viertelfinale gegen den französischen Vertreter AJ Auxerre und im Semifinale gegen Italiens Sampdoria Genua spielte er trotz gebrochener Rippe und die zuletzt genannte Partie entschied er maĂgeblich zu Arsenals Gunsten, als er im ElfmeterschieĂen den StrafstoĂ von Attilio Lombardo parierte. Tragisch endete fĂŒr ihn jedoch das Endspiel gegen Real Saragossa, da er in der Schlussphase der VerlĂ€ngerung beim Stand von 1:1 einen spektakulĂ€ren Weitschussgegentreffer unweit der AuĂenlinie von Nayim zum Endstand kassierte.cite-ref-15[15] Besondere Brisanz hatte das Tor auch deswegen, weil Nayim wenige Jahre zuvor bei Arsenals Lokalrivalen Tottenham Hotspur gespielt hatte und so verspotteten deren AnhĂ€nger Seaman in der Folgezeit hĂ€ufig in Anspielung auf den Film Einer flog ĂŒber das Kuckucksnest (englisch: One Flew Over The Cuckooâs Nest) mit dem abgewandelten Spruch One flew over Seaman's head (deutsch: âEiner flog ĂŒber Seamans Kopfâ).
Trotz einiger Knöchelprobleme gegen Ende der Saison im Rahmen einer China-Reise etablierte sich Seaman auch in der Spielzeit 1995/96 als âdauerprĂ€senterâ Arsenal-TorhĂŒter hinter einer von dem neuen Trainer Bruce Rioch umorganisierten Dreier-Abwehrreihe; dazu gelang ihm in der englischen Nationalmannschaft unter dem ebenfalls neuen sportlichen Leiter Terry Venables der Durchbruch als Stammkeeper. Bei der Euro 1996 im eigenen Land war er Teil einer Mannschaft, die bis ins Halbfinale vordrang und besonders seine beiden gehaltenen StrafstöĂe in der Gruppenphase gegen Schottland und im spĂ€teren Viertelfinale beim entscheidenden ElfmeterschieĂen gegen Spanien (im Duell mit Miguel Ăngel Nadal) waren dafĂŒr mitverantwortlich gewesen.cite-ref-16[16]
Die Wenger-Zeit und zwei Weltmeisterschaftsteilnahmen (1996â2003)
Anfang Oktober 1996 ĂŒbernahm mit ArsĂšne Wenger ein neuer Trainer die sportliche Leitung des FC Arsenal. Wenger fĂŒhrte zahlreiche Ănderungen im Kader durch, wobei Seamans Status als Stammkeeper jedoch nicht in Frage gestellt wurde. Dass er nur 28 Pflichtspiele in der Saison 1996/97 absolvierte, lag vielmehr an seinen stetig auftretenden Rippenproblemen. Dessen ungeachtet hatte er in 13 Partien seinen Kasten sauber gehalten. Gleich dreimal musste er Verletzungspausen einlegen, wobei sein unumstrittener Status als âEnglands Nummer 1â auch deutlich wurde, als die âThree Lionsâ in der WM-Qualifikation ohne ihn beim 0:1 im Heimspiel gegen Italien enttĂ€uschten. Am Ende der Spielzeit wurde er zum zweiten Mal nach 1991 in die Liga-Mannschaft des Jahres (âPFA Team of the Yearâ) gewĂ€hlt.cite-ref-17[17] Danach, dass Seaman 1998 unter Wenger das âDoubleâ aus englischer Meisterschaft und den FA Cup gewinnen sollte, hatte es zu Beginn der Saison 1997/98 wenig ausgesehen. Die Leistungen waren anfĂ€nglich ungewohnt schwankend und Mitte Januar 1998 setzte ihn ein gebrochener Finger lange auĂer Gefecht. In seiner Abwesenheit ĂŒberzeugte zudem sein junger Vertreter Alex Manninger â vor allem im Spitzenspiel bei Manchester United (1:0). Nach Seamans RĂŒckkehr Mitte MĂ€rz 1998 sorgte er jedoch mit acht Partien ohne Gegentor in elf Spielen mit fĂŒr den entscheidenden Vorsprung zum Gewinn des Ligatitels und zum 2:0-Endspielerfolg im Pokal gegen Newcastle United. Damit drĂ€ngte er sich auch nachhaltig fĂŒr die anstehende WM 1998 in Frankreich auf. FĂŒr die nun von Glenn Hoddle betreute Nationalelf stand er in allen vier Partien zwischen den Pfosten, bis hin zum Aus im Achtelfinale gegen Argentinien. Im ElfmeterschieĂen hatte er dabei den Schuss von HernĂĄn Crespo gehalten. Gegen die anderen SchĂŒtzen war er jedoch genauso unterlegen, wie bereits nach sechs Minuten in der regulĂ€ren Spielzeit gegen Gabriel Batistuta nach einem eigenen (umstrittenen) Foul an Diego Simeone.cite-ref-18[18] In der Saison 1998/99 verhalf Seaman Arsenal zu einem neuen Vereinsrekord, als in 38 Ligaspielen nur 17 Gegentore hingenommen werden mussten â neben seinen 32 Partien steuerte Manninger sechs EinsĂ€tze bei. Trotz weiterer Rippenprobleme festigte er damit seinen Ruf als âSafe Handsâ, da er mit einer zumeist unspektakulĂ€ren Spielweise Ruhe ausstrahlte.cite-ref-19[19]
Eine Wadenverletzung in der Vorbereitung zur anschlieĂenden Saison 1999/2000 zwang Seaman erneut zu einer lĂ€ngeren Pause. AnschlieĂend kehrte er ins Tor des FC Arsenal und der englischen Nationalelf zurĂŒck und im UEFA-Pokal erreichte er ein weiteres Mal das Finale eines europĂ€ischen Vereinswettbewerbs. Auf dem Weg dorthin hatte er vor allem mit einer Parade gegen Deportivo La Coruña (1:2 nach einem 5:1-Hinspielsieg) Aufmerksamkeit erregt. Im Endspiel ging es fĂŒr ihn gegen Galatasaray Istanbul schon wieder in ein ElfmeterschieĂen, in dem erneut unterlegen war. Bei der Europameisterschaft 2000 war er zunĂ€chst auch StammtorhĂŒter unter dem neuen Trainer Kevin Keegan, aber gegen RumĂ€nien im dritten und entscheidenden Spiel der Gruppenphase verletzte er sich beim Warmmachen. Ersatztorwart Nigel Martyn musste ihn spontan ersetzen, konnte jedoch nicht ĂŒberzeugen. England verlor durch einen spĂ€ten, von Phil Neville verschuldeten, Elfmeter und schied damit aus dem Turnier hinter Portugal und RumĂ€nien aus.cite-ref-20[20]
Vier Jahre nach seinem groĂen Erfolg bei der âHeimeuropameisterschaftâ fand sich Seaman weitgehender Kritik ausgesetzt. Dabei befanden neben weiten Teilen der schreibenden Zunft auch ehemalige NationaltorhĂŒter wie Gordon Banks und Peter Shilton, dass Seaman seinen Zenit ĂŒberschritten hĂ€tte.cite-ref-21[21] Nach Schulter- und Knöchelblessuren zur Mitte der Saison 2000/01 meldete er sich jedoch mit guten Leistungen zurĂŒck, stĂ€rkte damit offenkundig die Abwehr des FC Arsenal und ĂŒberzeugte damit den neuen Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson davon, trotz der Vielzahl der negativen Pressestimmen auf ihn als Englands Nummer 1 zu bauen. Kurze Zeit spĂ€ter sicherte er gegen Finnland mit einer spektakulĂ€ren Rettungstat in der Schlussphase den Sieg in einer wichtigen WM-Qualifikationspartie. Zwischenzeitlich hatte er bei Arsenal den vereinsinternen Rekord fĂŒr die meisten TorwarteinsĂ€tze gebrochen und fĂŒr ein Freundschaftsspiel im Highbury zu seinen Ehren (âTestimonial Matchâ) konnte im Mai 2001 der FC Barcelona gewonnen werden.cite-ref-22[22] In der Saison 2001/02 gewann Arsenal wieder das Double aus englischer Meisterschaft und FA Cup. Verletzungsbedingt hatte Seaman dazu jedoch nur vergleichsweise wenige 17 Ligapartien beigetragen und wĂ€hrend seiner hĂ€ufigen Abwesenheiten vertraten ihn gleichsam Richard Wright und Stuart Taylor, die beide auf eine zweistellige Einsatzzahl kamen. Bei der WM 2002 in Japan und SĂŒdkorea lieĂ ihn Eriksson trotz der geringeren Spielpraxis in jeder Partie bis zum Ausscheiden im Viertelfinale spielen. Dabei blieb besonders der Gegentreffer durch Ronaldinho, der letztlich das Turnieraus besiegelte, in Erinnerung, als er bei einem direkten FreistoĂ aus groĂer Distanz zum 1:2-Endstand mit einem âLupferâ ĂŒberlistet wurde.cite-ref-23[23]
In seiner dreizehnten und letzten Saison in Diensten des FC Arsenal beförderte Wenger Seaman trotz anhaltender Kritik durch britische BoulevardblĂ€tter zum VizekapitĂ€n und dieser absolvierte in der Partie gegen den FC Middlesbrough das 700. Pflichtspiel in seiner Profikarriere. HartnĂ€ckig blieben seine Verletzungen und nach Leistenproblemen im November 2002 musste er im Februar 2003 aufgrund einer HĂŒftverletzung in der Champions League gegen Ajax Amsterdam ausgewechselt werden.cite-ref-24[24] Knapp drei Monate spĂ€ter fĂŒhrte er in Abwesenheit des etatmĂ€Ăigen KapitĂ€ns Patrick Vieira seine Mannschaft anlĂ€sslich des FA-Cup-Endspiels gegen den FC Southampton aufs Feld und beim 1:0-Sieg hielt er seinen Kasten sauber. Nach insgesamt 564 PflichtspieleinsĂ€tzen fĂŒr Arsenal verlieĂ Seaman den Klub im Juli 2003 ablösefrei in Richtung Manchester City. Zuvor hatte Wenger in Jens Lehmann einen dauerhaften Nachfolger fĂŒr Seaman auf der Torwartposition gefunden.
Karriereausklang in Manchester (2003â2004)
Die Dinge entwickelten sich in Manchester nicht nach Plan und nach einer schweren Schulterverletzung, die er sich bei der 2:4-Niederlage beim FC Portsmouth zugezogen hatte, verkĂŒndete der mittlerweile 40-jĂ€hrige Seaman seinen RĂŒcktritt.cite-ref-25[25] In der Nationalmannschaft hatte er im Oktober 2002 sein 75. und letztes LĂ€nderspiel bestritten. Bei seinem finalen Auftritt gegen Mazedonien (2:2) musste er ein weiteres Mal einen ungewöhnlichen Gegentreffer hinnehmen, als ein prĂ€zise geschossener, direkt verwandelter Eckball zum zwischenzeitlichen 0:1 bei ihm einschlug.
AktivitÀten nach der sportlichen Laufbahn
Seamans BildschirmprĂ€senz als FuĂballer machte ihn einerseits zu einem populĂ€ren Talkshowgast, andererseits brachten ihm die Patzer am Ende seiner Torwartkarriere auch viel Spott ein. Bei der englischen Quizsendung 'They Think It's All Over' auf BBC One ersetzte er zusammen mit dem englischen Ex-Cricketspieler Phil Tufnellerst Gary Lineker als SpielfĂŒhrer. Sie wurden allerdings kurz darauf von Boris Becker und Ian Wright ersetzt. Im BBC-Film âMy Summer with Desâ hatte Seaman einen Cameo-Auftritt. Im Dezember 2004 ersetzte er bei der Sendung Strictly Ice Dancing, einer auf Eiskunstlauf basierenden Version von Strictly Come Dancing, kurzfristig Paul Gascoigne und konnte trotz kurzer Vorbereitung gewinnen.
Mit Selbstironie brachte er die DVD âGoalkeeperÂŽs Nightmaresâ auf den Markt, auf der gleichsam Torwartfehler (darunter natĂŒrlich auch einige von ihm selbst) und Glanzparaden aus der englischen Premier League zusammengestellt wurden.
FĂŒr einen WohltĂ€tigkeitszweck lieĂ er sich Ende 2005 werbewirksam seinen Pferdeschwanz, den er lange Zeit getragen hatte, abschneiden.
2006 nahm er an der ersten Staffel von Dancing on Ice teil. 2014 erfolgte eine weitere Teilnahme, diesmal an der neunten Staffel der Eiskunstlaufshow.cite-ref-26[26]
Titel/Auszeichnungen
âą Europapokal der Pokalsieger (1): 1994
âą Englischer Ligapokal (1): 1993
âą Charity/Community Shield (3): 1991 (geteilt), 1998, 2002
âą PFA Team of the Year (2): 1991, 1997
Literatur
âą David Seaman: Safe Hands â My Autobiography. Orion, 2000, ISBN 0-7528-4344-3.
Weblinks
Commons
: David Seaman
â Sammlung von Bildern
âą Profilseite beim FC Arsenal
âą David Seaman in der Datenbank von soccerbase.com (englisch)
âą David Seaman als englischer Nationalspieler
Einzelnachweise
cite-note-11. âEngland - U-21 International Results 1976-1985 - Detailsâ (RSSSF)
cite-note-22. âEngland - U-21 International Results 1986-1995 - Detailsâ (RSSSF)
cite-note-33. â David Seaman, Safe Hands â My Autobiography, Seiten 26â29
cite-note-44. â David Seaman, Safe Hands â My Autobiography, Seiten 39â41
cite-note-55. â David Seaman, Safe Hands â My Autobiography, Seiten 50â52
cite-note-66. â David Seaman, Safe Hands â My Autobiography, Seite 61
cite-note-77. â David Seaman, Safe Hands â My Autobiography, Seite 65
cite-note-88. â David Seaman, Safe Hands â My Autobiography, Seiten 66â69
cite-note-99. â David Seaman, Safe Hands â My Autobiography, Seiten 74â76
cite-note-1010. â David Seaman, Safe Hands â My Autobiography, Seiten 83â92
cite-note-1111. â David Seaman, Safe Hands â My Autobiography, Seiten 93â108
cite-note-1212. â Hugman, Barry J.: Premier League: The Players â A Complete Guide to Every Player 1992-93. Tony Williams Publishing, 1992, ISBN 978-1-869833-15-2, S. 300 f.
cite-note-1313. â David Seaman, Safe Hands â My Autobiography, Seiten 133â136
cite-note-1414. â David Seaman, Safe Hands â My Autobiography, Seiten 138â144
cite-note-1515. â Barry J. Hugman (Hrsg.): The 1995â96 Official PFA Footballers Factfile. Lennard Queen Anne Press, 1995, ISBN 978-0-09-180854-9, S. 189.
cite-note-1616. â Barry J. Hugman (Hrsg.): The 1996â97 Official PFA Footballers Factfile. Lennard Queen Anne Press, 1996, ISBN 978-1-85291-571-1, S. 218 f.
cite-note-1717. â Barry J. Hugman (Hrsg.): The 1997â98 Official PFA Footballers Factfile. Lennard Queen Anne Press, 1997, ISBN 978-1-85291-581-0, S. 243.
cite-note-1818. â Barry J. Hugman (Hrsg.): The 1998â99 Official PFA Footballers Factfile. Lennard Queen Anne Press, 1998, ISBN 978-1-85291-588-9, S. 270.
cite-note-1919. â Barry J. Hugman (Hrsg.): The 1999â2000 Official PFA Footballers Factfile. Lennard Queen Anne Press, 1999, ISBN 978-1-85291-607-7, S. 269.
cite-note-2020. â Barry J. Hugman (Hrsg.): The 2000â2001 Official PFA Footballers Factfile. Lennard Queen Anne Press, 2000, ISBN 978-1-85291-626-8, S. 286.
cite-note-2121. â David Seaman, Safe Hands â My Autobiography, Seite 9
cite-note-2222. â Barry J. Hugman (Hrsg.): The 2001â2002 Official PFA Footballers Factfile. Lennard Queen Anne Press, 2001, ISBN 978-0-946531-34-9, S. 272.
cite-note-2323. â Barry J. Hugman (Hrsg.): The PFA Footballers' Whoâs Who 2002/2003. Lennard Queen Anne Press, 2002, ISBN 978-1-85291-648-0, S. 369.
cite-note-2424. â Barry J. Hugman (Hrsg.): The PFA Footballers' Whoâs Who 2003/2004. Lennard Queen Anne Press, 2003, ISBN 978-1-85291-651-0, S. 379.
cite-note-2525. â Barry J. Hugman (Hrsg.): The PFA Footballers' Whoâs Who 2004/2005. Lennard Queen Anne Press, 2004, ISBN 978-1-85291-660-2, S. 367.
cite-note-2626. â Dancing On Ice line-up for 2014 revealed, 11. Dezember 2014, www.bbc.co.uk